Ein Helm muss einen Sturz aushalten. Geprüft wird er dafür aber nur mit geraden Aufschlägen – schräge Aufpralle mit Drehbewegung sind nicht Teil der Norm. Die meisten Stürze laufen anders ab, nämlich schräg, und dabei dreht sich der Kopf mit. Genau an diesem Punkt setzen Zusatzsysteme im Helm an. Eines davon heißt Mips Air Node.
Warum ein schräger Aufprall anders wirkt
Wer vom Rad fällt, landet selten senkrecht. Meist rutscht man über den Asphalt oder kippt über den Lenker und trifft den Boden im Winkel. Dabei wirkt nicht nur Druck auf den Schädel, sondern auch eine Drehbewegung.
Helme werden klassisch für den geraden Aufprall konstruiert und getestet. Die Schale verteilt die Kraft, das Innenmaterial gibt nach. Gegen die Drehung hilft dieser Aufbau nur begrenzt. Deshalb gibt es Zusatzsysteme, die genau diese Rotationsbewegung abbauen sollen.
Was die Norm prüft und was sie offen lässt
Fahrradhelme werden in Europa nach EN 1078 geprüft. Diese Norm ist eine Mindestanforderung, und geprüft wird darin der gerade Aufprall.
Das heißt nicht, dass ein normgeprüfter Helm schlecht wäre. Es heißt: Die Norm deckt einen Teil des realen Sturzgeschehens ab, nicht das ganze. Alles, was ein Hersteller darüber hinaus einbaut, ist freiwillig. Das ist auch ein Grund, warum zwei Helme mit demselben Prüfzeichen unterschiedlich viel kosten.
Das Prüfzeichen im Helm ist die Untergrenze, nicht die Bestnote.
Wie Air Node aufgebaut ist
Air Node ist eine dünne Schicht mit geringer Reibung. Laminiert ist sie auf die Unterseite der Komfortpolsterung, also auf die Seite, die zum Helm zeigt und nicht zum Kopf. Gehalten wird sie von kleinen Klettelementen, die Mips Nodes nennt.
Trifft der Kopf schräg auf, sollen sich diese Nodes an der belasteten Stelle lösen. Die Polsterung kann dann ein Stück weit gleiten, statt die Drehung unmittelbar weiterzugeben. Laut Mips wirkt das in alle Richtungen, weil die Schicht sich nicht auf eine Bewegungsachse festlegt.
Zwei Punkte unterscheiden diese Bauweise von dem, was sonst in Helmen steckt:
- Die Niedrigreibungsschicht ist perforiert, also mit feinen Löchern versehen. Die Luft aus den Belüftungsöffnungen wird dadurch nicht abgeblockt.
- Das System bringt laut Hersteller praktisch kein zusätzliches Gewicht und kein zusätzliches Volumen mit. Am Helm darunter muss kaum etwas verändert werden.
Entwickelt wurde Air Node für stark belüftete, leichte Helme – also für die Bauweise, bei der jede weitere Lage im Inneren sofort auffällt. Das ist auch der Grund, warum sich das Thema überhaupt lohnt: Wer im Sommer zwischen Schutz und Luft wählen musste, hat bisher oft die Luft genommen.
Was so ein System nicht leistet
Ein Rotationsschutz ist kein Freibrief. Er verhindert keinen Sturz, und er macht aus einem schweren Aufprall keinen leichten. Die Systeme sollen einen Anteil der Drehbewegung aufnehmen. Mehr versprechen die Hersteller selbst nicht.
Wichtiger ist etwas, das leicht untergeht: Ein Helm wirkt nur, wenn er sitzt. Er gehört waagrecht auf den Kopf und nicht in den Nacken geschoben. Das Kinnband gehört so fest, dass darunter knapp ein Finger Platz hat. Wackelt der Helm, nützt die beste Technik im Inneren wenig.
Worauf Du beim nächsten Helm achten kannst
Geh in dieser Reihenfolge vor. Zuerst die Passform: Der Helm soll schon ohne geschlossenen Riemen ruhig auf dem Kopf sitzen und darf nirgends drücken. Dann die Belüftung, denn ein Helm, der im Sommer staut, landet irgendwann am Lenker statt am Kopf. Und erst danach die Technik im Inneren.
Wenn Du zwischen zwei Modellen schwankst, nimm den, der besser passt, und nicht den mit der längeren Merkmalsliste. Helme beraten wir mit, wenn Du ohnehin wegen eines Service oder eines Bikefittings bei uns bist. Aufprobieren dauert ein paar Minuten und sagt mehr als jedes Datenblatt.




