Zu wenig Luft im Reifen ist einer der häufigsten Fehler am Fahrrad und einer der einfachsten zu beheben. Schwalbe nennt für jede Reifenbreite und jedes Fahrergewicht konkrete Werte, und die stehen hier in der Tabelle. Dazu kommt, woran Du am Reifen selbst erkennst, dass der Druck zu lange zu niedrig war.
Die Werte von Schwalbe nach Reifenbreite und Gewicht
Die drei Werte je Zeile gelten für ein Körpergewicht von rund 60, 85 und 110 Kilogramm.
- 25 mm: 6,0 bar / 7,0 bar / 8,0 bar
- 28 mm: 5,5 bar / 6,5 bar / 7,5 bar
- 32 mm: 4,5 bar / 5,5 bar / 6,5 bar
- 37 mm: 4,0 bar / 5,0 bar / 6,0 bar
- 40 mm: 3,5 bar / 4,5 bar / 6,0 bar
- 47 mm: 3,0 bar / 4,0 bar / 5,0 bar
- 50 mm: 2,5 bar / 4,0 bar / 5,0 bar
- 55 mm: 2,0 bar / 3,0 bar / 4,0 bar
- 60 mm: 2,0 bar / 3,0 bar / 4,0 bar
Deine Reifenbreite steht auf der Flanke, zum Beispiel als 37-622 für einen 37 Millimeter breiten Reifen. Liegt Dein Gewicht zwischen zwei Spalten, liegt Dein Druck zwischen zwei Werten. Ein breiter Reifen braucht weniger Druck als ein schmaler, weil mehr Luftvolumen dieselbe Last trägt.
Warum die Daumenprobe in die Irre führt
Schwalbe schreibt es deutlich: Ab etwa 2 bar fühlen sich alle Reifen relativ stramm an. Der Daumen unterscheidet also nicht zwischen 2,5 und 4,5 bar, und genau dazwischen liegt bei vielen Alltagsrädern die richtige Antwort. Beim Marathon Plus ist die Daumenprobe wegen der Pannenschutzeinlage laut Schwalbe völlig unzureichend, der Reifen fühlt sich immer hart an.
Dazu kommt der schleichende Verlust. Ein Druckverlust von einem Bar pro Monat gilt laut Schwalbe als normal. Wer im Frühjahr aufgepumpt hat und im Sommer fährt, fährt zu weich, ohne es zu merken. Einmal im Monat mit einem Manometer messen und korrigieren ist das Minimum. Schwalbe empfiehlt allen aktiven Radfahrern eine Standpumpe mit Manometer, und das ist auch unser Rat. Wer Latexschläuche fährt, stellt den Druck vor jeder Ausfahrt neu ein, denn die verlieren deutlich schneller Luft.
Ein Bar pro Monat verliert der Reifen ganz von allein – der Daumen merkt das nicht, das Manometer schon.
Die Grenzen stehen auf dem Reifen und auf der Felge
Auf der Reifenflanke ist der zulässige Druckbereich angegeben, mit einem Minimum und einem Maximum. Beide Grenzwerte dürfen laut Schwalbe auf keinen Fall über- oder unterschritten werden. Bei der Montage gilt das für Reifen und Felge zusammen, denn auch die Felge hat eine Angabe zum maximalen Druck. Als Faustregel richten wir uns nach dem niedrigeren der beiden Werte.
Ein Sonderfall sind klassische hakenlose Westwood-Stahlfelgen, wie sie an vielen Hollandrädern sitzen. Die ETRTO-Norm begrenzt den Druck hier auf 5 bar, und Schwalbe rät aus Sicherheitsreserve dazu, es bei 4 bar zu belassen. Für schmale Reifen oder schwere Fahrer sind solche Felgen damit nicht gut geeignet. Wenn Du ein älteres Rad mit Stahlfelgen fährst, lohnt sich vor dem nächsten Reifenkauf ein Blick darauf.
Woran Du dauerhaft zu wenig Druck erkennst
Der Reifen erzählt es. Laut Schwalbe ist zu wenig Druck in den allermeisten Fällen die Ursache für vorzeitigen Verschleiß der Seitenwand. Typisch sind wenige, dafür große Ermüdungsrisse im oberen Bereich der Flanke. Davon zu unterscheiden sind Alterungsrisse: Die sind klein und verteilen sich über die ganze Seitenwand.
Das zweite Zeichen ist der Abrieb. Läuft der Reifen links und rechts neben der Mitte ab statt in der Mitte, hat er zu lange mit zu wenig Luft gearbeitet. Beides siehst Du im Stand, ohne Werkzeug, in einer Minute.
Wann der Reifen runter muss
Das Profil ist beim Fahrradreifen nicht das Kriterium. Schwalbe sagt ausdrücklich, dass ein Fahrradreifen auch mit abgefahrenem Profil problemlos weiter betrieben werden kann. Ausnahme sind Mountainbike-Reifen, dort ist das Profil die eigentliche Funktion. Die Abfahrgrenze ist eine andere: Sobald auf der Lauffläche die Pannenschutzeinlage oder Fäden der Karkasse sichtbar werden, gehört der Reifen getauscht. Die Karkasse ist das Gewebe, das dem Reifen seine Form gibt.
Grobe Laufleistungen nennt Schwalbe ebenfalls: Standardreifen 2.000 bis 5.000 Kilometer, die Marathon-Familie 6.000 bis 12.000, Marathon Racer und Supreme etwa 5.000 bis 9.000, Marathon Plus meist deutlich über 10.000 und Schwalbe One 3.000 bis 7.000. Bei MTB-Reifen lässt sich das laut Schwalbe nicht sinnvoll in Kilometern angeben.
Das meiste kannst Du selbst machen: einmal im Monat den Druck messen und nachpumpen, die Flanken absuchen, Fremdkörper aus dem Profil pulen. In die Werkstatt gehört der Reifen, wenn Ermüdungsrisse in der Seitenwand sichtbar sind, wenn Pannenschutzeinlage oder Karkassenfäden durchscheinen oder wenn er trotz korrektem Druck ungleichmäßig abläuft. Bei alten Stahlfelgen prüfen wir zusätzlich, ob die Felge den gewünschten Druck überhaupt verträgt. Und wenn Du ohnehin zum Bikefitting mit Laservermessung kommst, schauen wir dabei, ob Reifenbreite und Druck zu Deinem Gewicht passen.




